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W E S T W I N D   P R O B L E M A T I K

Im Westen ist ja alles besser. Sogar früher in der Schule wurde uns schon gesagt, dass der Westen gut und der Osten schlecht sei. Kapitalismus im Westen, Kommunismus im Osten. Die große wirtschaftliche Bedrohung China, na wo? Im Osten. Das am Boden liegende Russland? Im Osten. Kriege? Im Osten. Das kalte Wetter? Aus dem Osten....

  Der Westen dagegen wird seit Menschengedenken immer wieder glorifiziert. Zumindest die Werbung bläut einem das immer wieder ein. Let´s go west! Wer kennt diesen Spruch nicht. Sogar große Völkerwanderungen fanden oft von Ost nach West statt. Westprodukte, Westgeld, Westen, ja selbst der Western leitet sich vom Westen ab. Das wilde Leben im wilden Westen, davon träumt doch jeder. Und deshalb hat man auch einen Pilgerort in den Westen verlegt. Santiago de Compostela. Westlicher ging' s nach damaliger Vorstellung nicht mehr. Eben damals, als die Erde noch eine Scheibe war. Amerika ward ja noch nicht entdeckt und somit war Santiago praktisch am Ende der Welt. Eine kleine Ortschaft namens Finisterre am dortigen Kap erinnert noch an diese Zeit. Jerusalem war als Wallfahrtsort einfach schon zu sehr ausgelatscht, da wollte doch damals schon kein Mensch mehr hin. Außerdem lag´s im Osten und das zog damals schon nicht. Santiago war der neue Renner. Sommer, Sonne, Strand und Palmen, das war´s was die Menschen wollten und sind deshalb zu Tausenden dahin gepilgert. Das Ganze hat nur einen Haken. Die Leute haben vergessen, dass der Westen ein entscheidendes Problem hat und das ist der WESTwind.

  Am Westen mag ja vieles toll sein und ich als Wessi kann das nur bestätigen, aber eines ist definitiv ein Problem und das ist der Westwind. Als Fahrradpilger gibt es nichts Schlimmeres als 8 Stunden am Tag Gegenwind. Und da man Richtung Westen unterwegs ist, kommt das leider sehr oft vor. Hier lernt man den Osten erst mal richtig schätzen, denn eine der tollsten Erfindungen aus dem Osten ist der Ostwind. Wären die ersten Pilger mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, hätten Sie es sich zweimal überlegt, ob es nicht doch besser gewesen wäre nach Jerusalem zu fahren. Wäre Jakobus mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, wäre er sicher auch nicht nach Spanien, sondern vielleicht eher in die Türkei. Erstens hätte er da viel mehr Arbeit gehabt und zweitens hätte er ständig Rückenwind gehabt. Es soll ja schon Leute gegeben haben, die mit dem Fahrrad die Welt gefahren sind. Aber ich mache jede Wette, dass sie Richtung Osten losgefahren sind. Richtung Westen mit dem Fahrrad ist nur was für echte Männer oder solche die es werden wollen. Denn hier wird das Pilgern wieder zu dem, was es ursprünglich war: Leiden! Denn was wäre das Buße-Tun mit Rückenwind? Das wäre ja fast so schlimm wie Gepäck nachfahren lassen.

 

 
 
 
   
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