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F I N A L E

Jetzt ist es aber wirklich Zeit geworden! Nach über halbjähriger Verspätung gibt’s hier noch die finale Geschichte. Allerdings fällt sie etwas nachdenklicher aus, als die vorigen....

Bin ich doch glatt in Santiago angekommen. Hätte das einer gedacht? An Schwob em Wallfahrtsmekka vo Schpania. Fast hätte es mir noch die Stimmung verraucht. Denn 5 km vor dem Ziel hatte ich natürlich noch einen platten Reifen und dazu hat es schön geregnet. Wahrscheinlich war das ein Fingerzeig von oben. Ja nicht überheblich werden, nur weil man mal mit dem Fahrrad nach Spanien geradelt ist. Deshalb gabs wahrscheinlich sofort eine Abkühlung von oben. Ich habe extra noch das Ortsschild von Santiago fotografiert und mich auf eine triumphale Einfahrt vorbereitet. Aber die Einfahrt war dann doch wenig triumphal. Keine Blaskapelle, kein Empfangskomitee, kein Garnichts. Das Gleiche war schon bei der Abfahrt der Fall als ich in Schemmerberg losgefahren bin. Auch hier kein Musikverein, kein Bürgermeister, keine Blumenkinder.....Wie soll man sich denn so eine tolle Fahrt im Gedächtnis behalten, wenn es eigentlich gar keinen Menschen interessiert, ob man abfährt oder ankommt? Ich kann allen versprechen, dass Ihnen dieser Trip auf alle Fälle im Gedächtnis bleiben wird. Auch wenn keine Blaskapelle spielt ist es doch ein wunderschönes Gefühl, wenn man dann vor der Kathedrale steht oder besser noch in der Kathedrale und weiß, dass man jetzt angekommen ist. Zum Teil spielen sich sehr emotionale Szenen vor und in der Kirche ab. Allerdings wird jeder dann auch wieder schnell vom Alltag eingeholt. Die Stadt ist mit Pilgern überfüllt und schnell kommt man wieder in den sogenannten Pilgerstress. Urkunde abholen, Stempel drauf, Schlafgelegenheit für die nächste Nacht suchen, schnell noch in die Kathedrale. Die wenigsten schaffen es, ganz gelassen zu bleiben. Wo bleibt die Gelassenheit, die man doch auf der ganzen Reise auch hatte? Mir ist schnell klar geworden, dass ich schnell wieder aus der Stadt raus muss.

Natürlich habe ich mir noch einen Pilgergottesdienst angeschaut. Ich habe zwar nichts verstanden, aber es war ein schönes Gefühl. Und am Schluss die Zeremonie mit dem riesigen Weihrauchfass! Vorne am Altar hängen sie ein manngroßes Weihrauchfass auf und sechs Ministranten schwenken es dann im Seitenschiff hin und her. Das Fass beschreibt dabei einen Halbkreis von fast 50 m und wenn es mal richtig in Schwung ist, schlägt es fast die Decke durch :-). Zu dem ganzen Spektakel spielt noch laute feierliche Orgelmusik. Die Pilger hält nichts auf den Sitzen, alle laufen vor und möchten am liebsten vom Fass getroffen werden. Am Besten ist es eigentlich wenn man mal Abends kurz vor Schließung der Kathedrale hingeht. Da findet man am ehesten Zeit, sich in der Kathedrale etwas Besinnung zu holen. Zu dieser Zeit kann man sich auch am Besten das Grab des Hl. Jakobus anschauen, das sich direkt unter dem Alter in der Kirche befindet.

 

Hat es jetzt eigentlich was gebracht? Was wollte ich denn mit diesem Trip erreichen? In erster Linie wollte ich ja mal wieder was Abenteuerliches unternehmen. Diese Frage ist schnell erledigt. Für jeden, der mal etwas Interessantes erleben will, ist das genau das Richtige.

Zum Abenteuer kommen noch drei wichtige Punkte dazu, die diese Reise so besonders machen.  

Nachdenken. Vor allem wenn man alleine unterwegs war, bleibt einem gar nichts anderes übrig als mal über das eine oder andere nachzudenken. Ich habe mir das ja ganz toll vorgestellt. Wie jeder normale Mensch habe auch ich in der Vergangenheit verschiedene Sachen erlebt, die mich immer wieder verfolgen. Das kann alles sein, wie etwas ganz Banales: Ich wurde z.B. immer an einen ehemaligen Jugendtrainer von mir erinnert. Dieser Sportskollege hätte alles werden dürfen, aber nicht Trainer von Jugendlichen. Etwas bewegendes, wie eine Beziehung, die in die Brüche gegangen ist, oder Situationen in denen man falsch reagiert hat und es gerne wieder rückgängig machen würde. Aktuelle Sachen, wie eine bestehende Beziehung, Jobsituation usw. Es gibt unendlich viele Sachen, über die man dann nachdenkt. Wie auch immer; ich habe gedacht, die Reise ist eine ideale Gelegenheit über die ganzen Sachen mal gründlich nachzudenken. Denn seien wir doch mal ehrlich: Es gibt so viele Sachen die man im Laufe der Zeit so erlebt hat, aber die man lieber verdrängt anstatt, dass man sich ordentlich damit auseinander setzt. Hier kann man sich die Zeit mal nehmen. Aber bei der Lösung dazu muss ich leider die Meisten enttäuschen. So einfach ist das leider nicht. Ich habe mir gedacht, dass ich mich jetzt schön mit meinen Problemchen auseinandersetze und danach ist alles ok. Ungefähr nach diesem Muster: Diese Woche verarbeite ich das Problem Nr. 1 in der nächsten Woche Problem Nr. 2 usw.... So einfach geht das nicht.....

Es wird nicht so sein, dass einen das in Zukunft nicht mehr beschäftigen wird, aber wird trotzdem leichter. Denn man konnte die Sachen von allen Seiten beleuchten. Vergangene Sachen können zwar nicht rückgängig gemacht werden, denn man kann die Zeit ja nicht zurückdrehen. Aber man kann es nutzen um die gleichen Fehler kein zweites Mal zu machen.

Es muss aber nicht sein, dass man beim Nachdenken immer nur Probleme wälzen muss. Warum nicht einfach mal an nichts denken? Auch dafür ist jede Menge Zeit da. Ist das nicht toll? Einfach mal die Gedanken kreisen lassen. Oder ein bisschen philosophieren? Schon mal über den Sinn des Lebens nachgedacht? Oder über den Unsinn des Lebens? Denn es könnte ja durchaus sein, dass alles nur Zufall ist und wir nur eine Laune der Natur sind. Diese Laune könnte die Natur allerdings teuer zu stehen kommen, wenn man sieht was wir mit ihr anstellen. Ist das Weltall endlos? Ich persönlich glaube ja, dass es irgendwie rund ist und sich dreht. Da wir ein Teil im Inneren dieses "Balles" sind, können wir aber nur sehr schwer beurteilen woher wir kommen und wohin es geht. Solche und andere sinnvolle Fragen kann man sich dann stellen.

Dieser Weg ist trotz allem in erster Linie ein Pilgerweg. Deshalb ist es natürlich auch nicht schlecht, wenn man ein bisschen Interesse am christlichen Glauben mitbringt. Gibt es einen Gott? Die Antwort auf diese Frage kann sich jeder selber zusammenstellen. Es gibt genügend Kirchen, in die man unterwegs gehen kann und auch mal persönlich nachfragen kann :-). Und bei der Gelegenheit kann man sich auch mal die Architektur der Kirchen anschauen. Läuft man in Deutschland los, begegnet man praktisch allen Stilrichtungen. Da gibt es echte Schmuckstücke zu sehen. Mich haben vor allem kleine Kapellen am Wegesrand beeindruckt.

 

Begegnungen. Ich habe so viele Leute getroffen unterwegs. Alle haben sie ihre eigene Geschichte gehabt. Die meisten sind auch aus einem bestimmten Grund nach Santiago gewandert. Die Geschichten waren sehr interessant. Da gab es die Ordensschwester, die ihren damaligen Freund verlassen hat, um dem Orden beizutreten und auch nach 40 Jahren immer wieder daran denken muss. Oder der Mann der kürzlich geschieden wurde und seinen Ehering am Cruz de Ferro abgelegt hat. Eine ebenfalls spannende Geschichte hatte ein junger Mann der eigentlich auf dieser Reise überlegen wollte, ob er ins Kloster gehen soll, dann aber auf der Reise seine große Liebe gefunden hat und jetzt sicher ganz andere Zukunftspläne hat. Nur eine sehr kurze Begegnung fand mit einer Frau statt, die im Rollstuhl nach Santiago gefahren ist. Eine tolle Leistung vollbrachte auch die über 80 jährige Frau, die ebenfalls zu Fuß und mit Rucksack bis Santiago lief.

 

Zeit haben. Das ist es, was die Reise von anderen Urlauben unterscheidet. Keinen festen Zeitpunkt für die Rückfahrt haben und jeden Tag nehmen wie er kommt. Jeden Tag intensiv erleben. Denn von vornherein ist nur festgelegt, dass man sich um ein bisschen Essen, Trinken und abends ein Dach überm Kopf kümmern muss. Ansonsten hat man den kompletten Tag für sich. Kann sich von euch an einen Zeitpunkt erinnern im Leben, wo er das hatte? Ich denke, die meisten Leute werden lange überlegen müssen, bis Ihnen so was einfällt. Ich habe es so genossen. Zeit zu haben. Dieter, ein Pilger von unterwegs, hat mich unterwegs gefragt, ob ich das Gefühl hätte Zeit zu haben. Das konnte ich eindeutig bejahen. Dieses Gefühl hat sich erst wieder abgestellt, als ich meinen Rückflugtermin festgelegt habe. Als ich wusste wann es genau zurückging, war alles auf diesen Termin abgestimmt. Ich musste planen, wie ich am Besten nach Lissabon (ich habe mich zu einem kleinen Abstecher entschieden J und von dort mit dem Flugzeug zurückkomme. Wie verpacke ich mein Fahrrad uns so weiter.

 Portugal

Von meinem Abstecher möchte ich nur kurz berichten, da es ja hier schon um etwas anderes gehen sollte. In Portugal ist es leider nicht so toll zum Fahrrad fahren. Es gibt so gut wie keine Radwege. Aber wenn man auf den normalen Strassen fährt geht’s schon auch. Ich habe mich für eine Strecke immer am Meer entlang entschieden. Da ich schönes Wetter hatte, war es natürlich schon etwas besonderes.

Zum Ausklang war das ideal. Von Fisterra bis zur portugiesischen Grenze war es noch mal ein bisschen Pilgern. Denn hier gibt es ebenfalls einen Jakobsweg. Es handelt sich hier um dem portugiesischen Weg. Danach ging es immer dem Meer entlang bis kurz vor Lissabon. Da ich schon mal dabei war, bin ich noch in Fatima vorbeigefahren. Diese Pilgerstätte ist mit derjenigen von Santiago nicht zu vergleichen. Hier ist nichts von Besinnlichkeit zu finden. Diese Kirche wurde aufgrund einer Marienerscheinung aus dem Boden gestampft. Mir kam es so vor, wie sie in Portugal eben auch eine Pilgerstätte haben wollten, da sie gesehen haben, was da in Santiago abgeht. Ich möchte den Portugiesen aber nicht zu Nahe treten, denn ich weiß dass es in Portugal drei wichtig Sachen gibt: Das ist Fußball, Fußball und Fatima. Leider kommen hier fast nur Bus- und Autopilger an. Und das merkt man eben allen Ecken und Enden. Ich kann es ja nicht so empfehlen, aber auch das muss jeder selber wissen. Unterwegs, kurz vor San Sebastian, habe ich einen getroffen, für den gibt es nichts besseres als Fatima. Da lässt er nichts drauf kommen und fährt jetzt alle 7 Jahre mit dem Fahrrad hin.

Am Besten Ihr schaut es euch mal selber an (aber nicht mit dem Bus :-)

 Dankeschön

Jetzt ist es noch an mir, mich bei allen zu bedanken. Den freundlichen Leuten, die mir unterwegs Unterkunft und Verpflegung angeboten haben. Den fleißigen Helfern, die es möglich machen, dass die Tradition Jakobsweg weiter bestehen kann. Natürlich auch einen Dank nach "oben", dass alles gut gegangen ist und ich wieder Heil nach Hause gekommen bin.

Ein ganz besonderer Dank gilt all den anderen Pilgern, die ich unterwegs getroffen habe, mich eine Stück begleitet haben, Stoff für Geschichten geliefert und somit auch zum guten Gelingen dieser Reise beigetragen haben. Ohne diese Begegnungen wäre diese Reise nur halb so schön gewesen. Euch allen wünsche ich, dass Eure Reise ebenso erlebnisreich war wie meine und Ihr euren Enkeln noch davon erzählen werdet. :-)

Zum Schluss noch einen ganz besonders lieben Gruß an meine Freundin Borislava. Danke, dass Du solange auf mich gewartet hast und mich während der ganzen Zeit unterstützt hast. Ich liebe Dich.

 

 
 
 
   
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