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B R I E F   A N   J Ö R G

Lieber Jörg,

nachdem ich jetzt von anderen Leuten Deinen Namen erfahren habe, kann ich Dir diesen Brief sogar persönlich schreiben. Ich wollte Dir hiermit zuallererst herzlich zu Deiner Leistung gratulieren, dass Du es bis nach Santiago geschafft hast.

Als Du vor der Pilgerherberge in Villafranca zuerst um mich herumgeschwänzelt bist und Dich aber noch getraut hast mich anzusprechen, konnte ich noch nicht ahnen was für ein super Typ Du bist. Wir sind dann doch ins Gespräch gekommen und nachdem Du mir erzählt hast, in was für einer schnellen Zeit Du es bis hierher geschafft hast, ist es auch mir klar geworden, dass Du zu den schnellsten Pilgern auf der Strecke gehörst. Ganz wichtig war, dass man am Tag mindestens 100 km fahren muss, damit man mit sich selber zufrieden sein kann. Leider bin ich an diesem Tag erst 60 km unterwegs gewesen. Da hab ich doch glatt ein schlechtes Gewissen bekommen. Ich hoffe, dass ich von Deinem Ehrgeiz und Wissen noch viel lernen kann. Du hast mir dann auch einen tollen Tipp gegeben, den ich auf dem restlichen Weg beherzigen werde. Damit man am Berg nicht schieben muss, gibt es eine einfache Regel: Man muss nur zum Richtigen Zeitpunkt schalten. Ach so! Mann, war ich doof bisher. Ich hab mein Fahrrad am Berg immer nur geschoben, weil ich das mit dem Schalten noch nicht so drauf habe. Aber es ist ja noch nicht zu spät. Es kommen noch ein paar Hügel und da werde ich versuchen Deinen guten Ratschlag in die Tat umzusetzen. Ganz so gut wie Du werde ich aber wohl doch nicht werden, da Du die Berge alle mit dem mittleren Zahnrad vorne fährst. Das werde ich so schnell nicht schaffen. Aber ich könnte es ja auf einer meiner nächsten Touren versuchen. Da ich vergessen habe es Dir persönlich zu sagen, werde ich das hiermit nachholen: Toll! Was für eine super Leistung. Die hat meinen ganzen Respekt verdient. Ich kann auch gut verstehen, dass Du etwas sauer bist, wenn Du jetzt zu früh in Santiago ankommst. Du warst so schnell, dass Du jetzt 4 Tage in Santiago verbringen musst. Da kann einem die ganze Freude vergehen, wenn man solange in dieser langweiligen Stadt verbringen muss. Aber dieses Mal habe ich einen Tipp für Dich: Du kannst doch über die Tage jede Menge Pilger ansprechen und Ihnen von Deiner guten Leistung erzählen, ich bin mir sicher, dass alle sehr interessiert zuhören werden.

Nur im Pilgerbüro solltest Du das nicht so tun, denn hier wird es niemanden interessieren, wie schnell Du angekommen bist. Schade, war leider auch, dass ich zwar in kurzer Zeit alles über Deine tolle Leistung erfahren habe, aber leider wusste ich dann nicht einmal wie Du heißt, was Du machst, was Du auf dem Weg alles erlebt hast, welche Begegnungen die Interessantesten waren. Aber das ist ja auch nicht so wichtig. Deinen Namen habe ich dann von anderen Leuten erfahren, die sich auch glücklich schätzen durften, etwas von Deiner Leistung zu hören. Diese Leute haben Dir dann auch gesagt, dass der Leistungsgedanke beim Pilgern völlig fehl am Platz wäre. Im Leben gäbe es noch mehr, als schnell von A nach B zu kommen. Das solltest Du mit Deinen 55 Jahren doch auch schon gelernt haben. Also wirklich, manche Leute sind wirklich Banausen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Dein Bewunderer Robert

 

 
 
 
   
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