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A U F T A K T  

 

Das Wetter meint es gut mit uns. "Uns" heißt: Meine Freundin und ich, denn Bori begleitet mich an den ersten vier Tagen. Am 30.04.05 starten wir bei strahlendem Wetter und nach ausgiebigem Frühstück. Natürlich sind wir auch nicht so gut aus den Betten gekommen, da wir am Abend vorher noch Abschied und auf eine gute Reise gefeiert haben. Das war sogar eine Fasche Champagner wert. Außerdem musste noch ein geeigneter Stein (dazu später mehr) und eine Muschel gefunden werden. An der Muschel soll man den Jakobspilger erkennen. Später werde ich noch sehen, dass jede Menge Muschelträger unterwegs sind. Mann, was da manche Leute für Muscheln rumschleppen. Die können unmöglich den ganzen Weg nach Santiago laufen und laufen bestimmt nur Etappenweise, denn bei so einer langen Wegstrecke achtet man auf jedes Gramm (Außer ich vielleicht :-). Wie auch immer, ich fand meine passende Muschel im Zimmerbrunnen meiner Mutter. Aber wenn alles gut geht werde ich ja eine viel schönere mit nach Hause bringen.

  So ca. um 11.00 Uhr starten wir auf die lange Reise. Jetzt geht’s also los. Als Pilger auf der Überholspur in den Himmel sozusagen. Auf direktem Weg und ohne Stop. Wenn sie in Rom nicht so schnell einen Papst gefunden hätten, wäre ich bestimmt in die engere Auswahl gekommen. Nein, das ist kein Witz. Früher war es fast Pflicht eine solche Pilgerreise zu unternehmen, wenn man sündenfrei sterben wollte. Es gab drei zur Auswahl: In die Hl. Stadt Jerusalem, nach Rom oder auf dem Jakobsweg nach Santiago. Im Mittelalter hat eine wahre Völkerwanderung stattgefunden und alle wollten sie nach Spanien. Kann ich gut verstehen, denn Jerusalem war im Mittelalter nur unter Todesgefahren zu erreichen (Außer als Kreuzritter, und selbst das war nicht ungefährlich) und Rom schied aus, weil man damals noch Lateinisch reden musste. Ich konnte das in der Schule schon nicht leiden. Da hört sich Spanisch doch sympathischer an. Außerdem haben die damals wahrscheinlich schon bei dem Wort Spanien an Palmen, Sonne und Ballermann gedacht. In Santiago gibt es noch heute eine Urkunde für die Pilger. Früher war das ein Ablassschreiben. Mit einem Stück Papier waren einem alle Sünden vergeben. Zum Glück geht das heute nicht mehr so einfach. Irgendwie gibt es einem aber trotzdem ein gewisses Sicherheitsgefühl als Pilger unterwegs zu sein, mit dem Segen von oben.

  Mit diesem sicheren Gewissen rollen wir aus dem Ort. Allerdings auch mit dem sicheren Gewissen viel zu viel Gepäck dabei zu haben. Leider haben wir es nicht gewogen, aber es fühlt sich nach sehr viel an. Eigentlich wollte ich ja von unserer Kirche aus starten. Mit Beweisphoto und so weiter, denn dort ist auch eine Jakobsmuschel zu finden, aber leider befindet sich unsere Kirche auf einem Berg :-(  (SchemmerBERG). Da wir eh spät dran sind, entscheiden wir uns das Bild auf dem Rückweg zu machen. :-) Für die Motivation ist es eh nicht so gut, sofort mit einem Berg zu starten, denn davon kommen noch genügend. Die Frage ist schon eher ob es nicht ein kleiner Beschiss ist, diese Strapaze auszulassen. Wenn das jemand rausbekommt und nach Santiago zur Urkundenstelle meldet, ist bestimmt Schluss mit Lustig. Dann gibt’s nix! Keine Urkunde! Aber zum Glück werden die das nie erfahren.

  Die ersten Kilometer sind super. Alles eben und strahlender Sonnenschein. Nur die Wegführung ist etwas seltsam. Waren die ersten Pilger besoffen? Der Weg geht in Schlangenlinien nach Spanien. Oder wem würde es einfallen von Schemmerberg aus über Laupertshausen und Mettenberg nach Biberach zu fahren? Leider geht das den ganzen Weg so weiter, da die Pilger früher immer bestimmte Orte anliefen. Sei es wegen den Herbergen oder wegen bestimmter Kirchen. Ist irgendwo eine Jakobuskirche in der Nähe wird auf alle Fälle drauf zugesteuert. Schon wegen dem Namen. Die erste Generalprobe folgt gleich hinter Laupertshausen. Ca. 300 m geht’s steil bergauf. Aber das ist gerade noch mal gut gegangen. Ohne Absteigen meistern wir dieses Stück. Danach geht’s durchs malerische Oberschwaben, vorbei an der schönsten Dorfkirche der Welt. Das gute an den ersten Tagen ist, dass die Verpflegung gesichert ist. Denn wir machen erst mal Station bei verschiedenen Bekannten und Verwandten. Meine Patentante wartet schon mit einem frischen Rhabarberkuchen. Dankeschön :-).

  Ein paar Km weiter in Ravensburg besuchen wir einen ehemaligen Arbeitskollegen von mir, bei dem wir mit frisch gebackener Lasagne versorgt werden und unsere erstes Nachtlager bekommen. Am nächsten Tag geht´s weiter nach Konstanz zur Tante meiner Freundin. Zufällig ist da gerade der Grill angeschaltet :-) Außerdem ist gerade Ostern nach dem orthodoxen Kirchenkalender und es gibt Ostereier. So können wir in diesem Jahr zum zweiten mal Ostern feiern (Sehr praktisch). Ein paar Km weiter treffen wir bei meiner Tante und meinem Onkel auf der Insel Reichenau ein. MMMMMMMMMHHH. Nachdem wir noch den traumhaften Sonnenuntergang am Bodensee genießen konnten, versetzt uns der selbst gemachte Wein meines Onkels eine sanfte Dröhnung. Am nächsten Morgen leckeren Rhabarberkuchen zum Frühstück. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle die Leute, die uns so köstlich versorgt und gut aufgenommen haben. Soviel zum Anfang der Tour. Denn ab jetzt bekommt das Pilgern einen neuen Sinn: Ab jetzt heißt es "Leiden" und sich das Nachtlager und Essen gut verdienen.

 
 
 
   
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