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I M   L A N D   D E S   P O M M F R I T T 

Kartoffeln, die in kleine Stäbchen geschnitten eine Zeitlang in sehr heißem Fett gebadet worden sind, nennt man „Pommfritts“. Pommfritt ist kein deutsches Wort. Aber, man muss auch zugeben, dass sich „fettige Kartoffelstäbchen“ nicht gerade gut anhören würde. Nein, Pommfritt kommt aus dem Französischen und hört sich gut an. Genau genommen schreibt man es auch etwas anders: „Pommes Frites“. Es kommt aus dem Französischen, da es die Franzosen erfunden haben. Deshalb haben Sie auch die Namensrechte an den Dingern. Sogar die Amis nennen sie French Fries. Oder besser gesagt nannten sie so, denn seit die Amerikaner in den Irak einmarschiert sind und beleidigt sind, dass nicht alle so dumm waren und nicht sofort mit gerannt sind, eben auch die Franzosen nicht, nennen sie ihre Fritten nicht mehr French Fries sondern Liberty Fries. Man kann ja über die Amis sagen was man will, aber manchmal haben sie schon eine kleine Meise. Deutschland war ja auch nicht dabei. Wahrscheinlich nennen sie ihre „Hamburger“ deshalb auch bald nicht mehr "Hamburger" sondern "Bushburger". Das wäre vielleicht gar nicht so schlecht, denn dann würden sie bei jedem Bushburger daran erinnert, dass Bush für die Menschheit genauso ungesund ist, wie jeder Burger, den sie gerade essen. Lassen wir mal das Politische an dieser Stelle und wenden uns wieder dem Wichtigen zu: dem Essen.

  Ich habe ja schon in ein paar anderen Geschichten vom Essen in Frankreich geschwärmt, da war es klar, dass ich im Land des Pommfritt mal ein solches probieren musste. Zuerst probierte ich es mal an Kikis-Pizza Bude. Merde! Es gibt keine Fritten. Dann probier ich eben eine Pizza Funghi. Das sollte sich leider als Fehler erweisen, denn kulinarisch gesehen, war das ein Griff ins Klo. Aber was soll man auch erwarten. Die Franzosen mögen ja gut kochen können, aber Pizzas sollten sie den Italienern überlassen. „Essen, wie Gott in Frankreich“ ist ein Spruch, der sich für besonders gutes Essen einprägte, nachdem Gott einmal in Frankreich zum Essen war und es ihm sehr gut geschmeckt hat. Aber eines ist sicher; er hat dort ganz sicher keine Pizza gegessen.

  Am nächsten Tag hatte ich mehr Glück. Am Straßenrand stand eine Bude, die so aussah, als sei sie noch aus der Gründerzeit des Pommfritt. Das musste bedeuten, dass es hier die nach dem originalen Rezept hergestellten Prommfritts geben musste. Komischerweise verstehen die Franzosen gar nicht was man will, wenn man sagt, dass man gerne Pommes Frites hätte. Die sagen nur Frites. Das muss sich im Laufe der Jahrhunderte so eingeschlichen haben. Ja, Sprache verändert sich ständig im Laufe der Zeit. Das ist ein ganz natürlicher Prozess. Das passiert sogar im Deutschen: Sagt man am Anfang zu seiner frisch Vermählten Frau noch „Herzi-hasi-mausi-schneuzi-schnuggi-putzi“, kürzt man nach ein paar Jahren Ehe doch schon etwas ab und nennt seine Frau vielleicht noch „Rapunzel“ oder „Mutter-meiner-Kinder“. Nach weiteren ca. 40 Jahren Ehe geht man dann zur liebevollen Kurzform „Alte“ über. Und so muss es auch mit dem Pommes Frites in Frankreich passiert sein.

  Ich schaffe es aber nach einigem Hin und Her trotzdem, dass ein paar dieser herrlichen Dinger vor mir stehen. Eigentlich hätte ich ja gerne erst mal nur ein Pommfritt gehabt, aber das ließe sich aus technischen Gründen nicht machen. Auch nicht schlecht, jetzt steht eben eine ganze Schale dieser herrlich duftenden Pracht vor mir. Die Dinger waren zwar mit 5 EUR nicht ganz billig, aber ich bin gerne bereit diesen Preis zu bezahlen, denn ich durfte ja nicht vergessen, dass es sich hier um Kartoffelstäbchen aus einer Gründerzeit-Bude handelt. Genüsslich schob ich mir die ersten heißen, fettigen Fritten rein. MMMMHHHHH……MMH….MH…..NAJA. Etwas Enttäuschung breitete sich zuerst in meinem Gaumen und dann über den Rest von mir aus, denn leider stellte sich heraus, dass das Fett in dem die Dinger gebadet wurden wohl auch noch aus der Gründerzeit des Pommfritt stammte. Auch waren sie noch nicht ganz fertig gebacken. Mann, da wurde ich mal wieder ordentlich übers Ohr gehauen. Haben sie mal wieder einen Pilger gefunden. Da befinde ich mich mitten im Land des Pommfritt und laufe wahrscheinlich an die einzige Bude im ganzen Land, in der sie nicht wissen wie man ordentliche Fritten macht. Bin froh, wenn ich wieder zu Hause im Ländle bin und meine Spätzle bekomme. Da weiß man eben, was man hat.

 

 
 
 
   
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